
Fischerhütte in Graal-Müritz
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Ergänzend zu dem, was meine Tochter nach meinen Erzählungen aufgeschrieben hat, möchte ich noch einiges berichten, denn mir ist noch einiges eingefallen, was für Sie vielleicht interessant wäre.
Schon als wir noch in Graal wohnten, waren wir ständig auf der Suche nach etwas Eßbarem. Dabei entdeckten wir im Walde ein verlassenes Depot der Wehrmacht mit vielen Kommißbroten, ein Geschenk des Himmels! Das sprach sich natürlich schnell herum. Wir hatten Glück, daß wir noch einige Brote erwischten.
In Graal wohnten wir anfangs noch in einem Hotel, wo es sogar noch etwas zu essen gab: Bratkartoffeln und Sülze. Im Speisesaal hingen die Bilder von sämtlichen Nazigrößen. Es war auffallend, daß diese Bilder nach und nach verschwanden. Nicht alle auf einmal, nein -- aber jeden Tag war da eins weniger.
Die Gäste dieses Hotels waren fast sämtlich junge Mütter mit demselben Schicksal. Man konnte es ihnen ansehen, wenn wieder ein Kind gestorben war. Diese Frauen aßen nicht, sie weinten still vor sich hin. Die anderen hofften noch. Der Besitzer dieses Hotels erschien auch eines Tages, es hieß von ihm, er wäre Kommunist gewesen und hätte sein Parteibuch lange Zeit versteckt gehalten.
Wir bekamen dann ein Zimmer in der Volksschule in Müritz. Der Leiter dieser Schule war ein Herr Knoop, ein stiller, in sich gekehrter Mensch. Seine Frau hieß Mariechen und war das ganze Gegenteil: laut, lebhaft und quirlig. Sie wußte immer das Neueste vom Tage. Die Knoops nahmen uns nicht ungern auf, denn sie hatten dadurch einen großen Vorteil: Ihnen wurde von den Russen nichts weggenommen. Wir, die ach so ungeliebten Flüchtlinge, konnten sie aufgrund unserer Sprachkenntnisse vor Plünderung bewahren.
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